„Es gab auch skurrile Erlebnisse“

Grün-Weiß Kurier: Lieber Erich, Du bist nicht nur ein Gründungsmitglied des TC GWL, sondern nimmst auch heute noch aktiv am Tennisleben teil. Wann hattest Du in unserem Verein persönlich die beste Zeit?

Erich Kiwitt: Die ersten Jahre unseres Spielbetriebes ab 1962 sind mir natürlich in bester Erinnerung geblieben. Die Zeit des Wartens auf „Tennisspielen in Langenfeld“ war nun endlich vorbei. Man konnte jetzt auf den beiden zuerst gebauten Hartplätzen den damals noch gebräuchlichen weißen Bällen hinterher jagen, und dies sogar im Winter an schnee-und eisfreien Tagen.

Auch im gesellschaftlichen Umfeld gab es erfreuliche Impulse. Nicht zu vergessen sind die herrlichen Clubfeste, die damals mit großer Begeisterung und hohem Zuspruch – auch unter Beteiligung befreundeter anderer Clubs – in der oftmals ausverkauften Stadthalle stattfanden. Von solchen Zeiten kann man heute nur träumen.30 Jahre später konnte ich mich als vom beruflichen Alltagsstress befreiter Rentner dann intensiver dem Tennisspielen widmen. Die Teilnahme an Medenspielen und Hobbyrunden im Bergischen Land ist mir noch heute in allerbester Erinnerung. Besonders fasziniert haben mich einige der geschickt in die hügelige Landschaft integrierten Anlagen und Clubhäuser.

Grün-Weiß Kurier: 1960 wurde der Verein gegründet, wir haben vor 10 Jahren unser 50. Jubiläum gefeiert. Du bist Zeitzeuge. Gab es während der Gründerjahre Besonderheiten oder Ereignisse, die so nicht in der Chronik stehen?

Erich Kiwitt: In diesem Zusammenhang muss wohl eine Spielergruppe erwähnt werden, die mit eigenen Vorstellungen über Führung und Außendarstellung unseres Clubs zur Vorstandswahl antreten wollten. In einer leidenschaftlich geführten Mitgliederversammlung wurde aber entschieden, alles beim Alten zu belassen. Damit endete die Diskussion friedlich und es kehrte wieder Ruhe ein.

Ein anderer Streitpunkt waren die Pläne für den Bau einer in Clubregie zu bewirtschaftenden Tennishalle. Die Stadt Langenfeld wäre bereit gewesen, die Errichtung auf den Plätzen 8-12 zu genehmigen. Wegen unklarer Finanzierungslösungen und nicht nachvollziehbaren Annahmen für die eingeplante Fremdvermietung wurde das Projekt dann eingestellt.

Wenn man 60 Jahre den TC GWL erlebt hat, muss man auch die Clubgastronomie beleuchten. Wir haben ja mit Sanela und Amir ein rühriges Ehepaar, das die Gastronomie betreibt und uns alle bestens bedient – und das schon mehr als 10 Jahre ohne Unterbrechung. Ich kann mich nicht erinnern, eine solche Konstanz in den bisherigen 60 Jahren Clubgeschichte erlebt zu haben. Wir können uns bei den beiden nur bedanken und ihnen wünschen, weiterzumachen.

Natürlich gab es auch skurrile Erlebnisse. Dazu gehört die Erinnerung an einen Wirt, der sich gerne zum Tennisspielen einladen ließ und dabei die Gastronomie total vergaß. Eine Platzsperre war die logische Folge. Auch einige Gastronomen scheiterten an ihrem zu hohen Eigenkonsum und mussten mangels Diensttauglichkeit ihren Platz räumen.

Grün-Weiß Kurier: Wie hast Du dieses „Projekt Tennisverein“, das ständig einem Wandel durch Zeit und Personen unterworfen ist, im Laufe der 60 Jahre wahrgenommen?

Erich Kiwitt: Auch ein Tennisclub kann sich nicht von der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung abkoppeln. Ein auffälliges Beispiel dafür dürfte die Wahl der Tenniskleidung sein. In den ersten Jahren unseres Clubs war wie auf allen Tennisanlagen der Welt „weiß“ Tradition und auch Pflicht. Mittlerweile gibt es eine solche generelle Verpflichtung weltweit nicht mehr. Auch der TC GWL  hat sich dem gewandelten Trend angeschlossen. Ziemlich altmodisch dürfte auch heute die früher obligatorische Verpflichtung wirken, bei einem Aufnahmeantrag einen Bürgen präsentieren zu müssen. Was würden dazu heute die Datenschutzverfechter sagen? Die größten Veränderungen sind sicherlich auf dem Gebiet der Kommunikation zu verzeichnen. Die Zeiten von Tippex und Ormig sind vorbei. Aber die Verantwortlichen aus vergangenen Zeiten sind damit auch klargekommen – also ohne Handy, Laptop und E-Mail. Das sollte mal lobend festgehalten werden.

Generell muss aber gesagt werden, dass die vergangenen 60 Jahre keine gravierenden Änderungsspuren hinterlassen haben. Sicherlich haben sich einige Spielregeln gegenüber 1960 geändert (den Tiebreak z.B. gab es damals nicht), aber das Meiste gilt auf dem Platz und auf der Tribüne heute noch wie früher. Dazu gehören auch die ständigen Appelle zur Einhaltung der Regelungen der Platz- und Anlagenpflege, zum Beispiel  Abziehen der Plätze, Wässern, keine Ascheschuhe und kein Tenniszubehör auf der Terrasse.

Grün-Weiß Kurier: Jetzt wollen wir aber endlich wissen, wer dieser Mann eigentlich ist, der für unseren Tennisverein den Grundstein gelegt hat! Liegen Deine Wurzeln in Langenfeld, welche Stationen über Schulen, Ausbildung und beruflichen Werdegang waren wichtig?

Erich Kiwitt: Streng genommen liegen meine Wurzeln nicht in Langenfeld, da ich nicht hier geboren wurde, sondern etwas entfernter in Bukarest. Seit 1939 wohne ich aber in Langenfeld am Geburtsort meines Vaters. Ich fühle mich daher als echter Langenfelder. Meine schulischen Stationen waren das Landrat-Lukas-Gymnasium in Opladen (Abitur 1954) sowie die TH Aachen (Diplomabschluss 1959).

 Grün-Weiß Kurier: Neben der Gründung eines Tennisvereins hast Du auch noch eine Familie gegründet! Zu welchem Zeitpunkt müssen wir diesen Schritt einordnen – und war da auch irgendwie der Tennissport beteiligt?

Erich Kiwitt: Die Familiengründung erfolgte im Jahre 1966. Tennis war nicht im Spiel. Seitdem ist meine Frau aber auch Mitglied unseres Clubs. Das gilt auch heute noch.

Grün-Weiß Kurier: Ihr habt euch zu einer sportlichen Tennisfamilie entwickelt, Deine Ehefrau Erika und Deine Tochter Petra haben mit Dir zusammen erfolgreich den sportlichen Teil der Tennisgemeinschaft mitgeprägt. Wie war das mit Deinem Sohn, konnte auch er in früheren Jahren dem Tennissport etwas abgewinnen?

Erich Kiwitt: Leider nicht. Er hatte schon als Jugendlicher mehr Interessen für Erdbewegungsmaschinen und alte Autos. Der von mir vorsorglich gestellte Aufnahmeantrag wurde hinfällig und zur Freude meiner Tochter auf sie übertragen und auch genehmigt.

Grün-Weiß Kurier: Du hast lange Zeit ehrenamtliche Arbeit im Vorstand geleistet, der Posten als Technischer Wart war Dir auf den Leib geschrieben. Mit Deinem Wissen und mit Deiner ingenieurtechnischen Erfahrung hast Du den Verein sehr geprägt – etwa unser schönes Eingangstor! Hattest Du auch Rückschläge zu verzeichnen, die nicht vergessen sind?

Erich Kiwitt: Rückschläge gehören zum sportlichen Leben. Damit musste ich auch als technischer Wart leben. Von meinem Grundsatz, bei Investitionen möglichst langlebige und wartungsarme Werkstoffe (rostfreier Stahl, Mauerwerk statt Holz) zu verwenden, bin ich auch bei Meinungsverschiedenheiten nicht davon abgewichen.

Wenig Verständnis hatte ich allerdings für die vom Förderverein initiierte Beschäftigung von bezahlten Spielern. Diese Einstellung habe ich auch offen geäußert. Das vertane Geld hätte ich lieber in technische Verbesserungen auf unsere Anlage investiert.

Grün-Weiß Kurier: Wir haben Dir für Deine ehrenamtliche Tätigkeit die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Was bedeutet Dir diese Anerkennung?

Erich Kiwitt: Sehr viel. Ich habe mich über die Verleihung vor Jahren sehr gefreut. Ich würde es sehr begrüßen, wenn diese ehrenvolle Auszeichnung zukünftig weiterhin verliehen werden könnte. Der damit verbundene Beitragsverlust ist sicher verschmerzbar, zumal dem Ausgleich durch eine Spende nichts im Wege steht.

Grün-Weiß Kurier: Wir jedenfalls können uns von der Vereinsseite nur bedanken – dafür, dass Deine Liebe zum Verein und Dein Engagement nie nachgelassen haben. Soweit das am 21. August 2021 möglich ist, würden wir Dich und Deine Familie gerne als Ehrengäste zu unserer nachzuholenden Jubiläumsfeier einladen. Ich hoffe, wir bekommen eine Zusage?

Erich Kiwitt: Lieber Edgar – vielen Dank für Deine Einladung, die wir gerne annehmen. Ich hoffe nur, dass Corona uns Dein geplantes Treffen nicht vermiest.

Grün-Weiß Kurier: Zurück auf den Platz. Seit einigen Jahren bist Du Teil der sogenannten Römergruppe. Ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit, da hier für ältere Altersgruppen sportliche, aber auch gesellige Möglichkeiten geboten werden. Was bedeuten die Corona-Bestimmungen für euch, und habt ihr eigentlich Nachwuchsprobleme?

Erich Kiwitt: Corona hat den ganzen Winterhallenplan über den Haufen geworfen. Es bleibt zu hoffen, dass die Sommermonate besser laufen werden. Die angesprochene Römergruppe leidet leider unter immensen Nachwuchsproblemen. Es fehlen jüngere Leute, die unsere Altersgruppe entlasten könnten. Die Situation ist vergleichbar mit dem Schicksal vieler Kegelclubs, Lauftreffs und diverser Gemeinschaftsvereine.

 Grün-Weiß Kurier: Sechs Jahrzehnte Grün-Weiß Langenfeld – wenn jemand unsere Schwachstellen kennt, dann Du. Was müssen wir aus Deiner Sicht endlich anpacken?

Erich Kiwitt: Schwachstellen im eigentlichen Sinne sehe ich nicht, wohl aber Verbesserungsmöglichkeiten. So könnte ich mir eine sinnvolle Gestaltung der Wiese in Verlängerung der Terrasse vorstellen. Hier böte sich eine biergartenähnliche Lösung an. Erforderlich wäre dabei ein Lichtschacht mit Abdeckung hinter der Kellertreppe. Auch der Einbau von Durchgangstüren an den Außenseiten der Trennzäune auf den Plätzen 3/4 und 6/7 wäre sinnvoll. Zum Schluss noch ein Wunschgedanke: Eine Bahnhofsuhr auf dem Plateau zwischen den Plätzen 1 und 2 wäre sehr nützlich und sähe auch äußerst dekorativ aus. Die Kosten könnten durch zielorientierte Spenden gedeckt werden. Der Anfangsmosaikstein dazu liegt bereit.

Grün-Weiß Kurier: Lieber Erich, es hat Spaß gemacht, mit Dir zu plaudern und selbst nach 60 Jahren Vereinstreue immer noch Deine Begeisterung für den TC GWL zu spüren.

 

Das Gespräch führte Edgar Scholz