Grün-Weiß Kurier: Hallo Karsten, der TC Grün-Weiß Langenfeld e.V. konnte Dich für erforderliche Trainingseinheiten unseres Nachwuchses als Trainer gewinnen. Wie ist es dazu gekommen?

Karsten Braasch: Ich bin zum TC GWL über meinen Kontakt zu Boris und Marc Joachim gekommen. Seit dem Sommer 2015 gebe ich einen Tag in der Woche mit Marc Joachim Training in Velbert. Marc wusste, dass Boris einen Tag in der Woche Hilfe brauchen würde. Ab da ging es schnell. Zwei kurze Telefonate und das Training war geregelt.

Grün-Weiß Kurier: Wenn ich mir Deine Vita ansehe, ist es allein aus dieser Sicht für unsere jungen Talente ein Erlebnis, mit Dir auf dem Platz zu stehen. Wie nimmst Du beim ersten Aufeinandertreffen die eventuell auftretenden Nervositäten vom Platz?

Karsten Braasch: Das ist eigentlich ganz einfach. Ich bin ganz normal, versuche den Schülerinnen und Schüler, ob nun jung oder etwas älter, einfach nur den Spaß am Tennis zu vermitteln. Und natürlich auch ihr Spiel zu verbessern. Das führt dazu, dass Tennis noch mehr Spaß macht. Davon abgesehen, bin ich vielen Jüngeren unbekannt. Die haben deshalb auch keine Scheu.

Grün-Weiß Kurier: Du hast in Deiner Karriere sicher viele Trainer und damit auch unterschiedliche Trainingsmethoden kennengelernt. Welche Prioritäten sind Deiner Meinung nach die Grundlage einer erfolgreichen Zusammenarbeit?

Karsten Braasch: Wichtig für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist in erster Linie das Vertrauen zwischen Trainer und Schülerinnen und Schüler. Je mehr Vertrauen da ist, umso mehr hört man mir zu. Ein weiterer Aspekt ist sicherlich der individuelle Umgang mit den Menschen. Nicht alle sind gleich. Deshalb darf man sie auch nicht gleich behandeln. Besonders Kinder und Jugendliche sind so stark belastet, vor allem durch die Schule, dass sie auch mal schlechte Tage auf dem Tennisplatz haben dürfen. Das muss ich als Trainer verstehen. Als letztes ist noch der Spaß auf dem Platz zu erwähnen, den man zusammen haben sollte. Dann funktioniert in meinen Augen Training.

Grün-Weiß Kurier: Unvergessen ist Dein Sieg aus dem Jahre 1994 am Hamburger Rothenbaum gegen den ehemaligen Weltranglisten-Ersten Ivan Lendl. Ein Erlebnis besonderer Art waren sicher auch Deine jeweiligen Trainingsmatche über einen Satz gegen die aufstrebenden Williams Schwestern: Braasch – Serena (16 Jahre) mit 6:1 und Venus (17 Jahre) mit 6:2. Was behält man von Auftritten dieser Art im Gedächtnis?

Karsten Braasch: Das sind einfach großartige Erlebnisse die ich gehabt habe. Sie werden immer im Gedächtnis bleiben. Es gibt noch einige weitere Highlights die auf der gleichen Stufe anzusiedeln sind. Der Davis-Cup Sieg im Doppel in Halle/Westfalen gegen Spanien oder gegen Pete Sampras auf dem Center Court das Wimbledonturnier eröffnen zu dürfen.

Von diesen Ereignissen bleibt fast alles hängen. Ergebnisse, einzelne Punkte die gespielt wurden, die Menschen die dabei anwesend waren. Alles ist noch sehr nah. Allerdings gibt es auch negative Matches, die im Gedächtnis bleiben. Davis-Cup in Hamburg, wo wir 10 zu 8 im fünften Satz verloren haben. Dazu zählt auch meine Viertelfinalniederlage gegen Boris Becker in Los Angeles, nachdem ich bei 6:2 und 5:4 zwei Matchbälle nicht verwandeln konnte.

Durch die Ausgewogenheit von positiven und negativen Erlebnissen habe ich gelernt, diese nicht überzubewerten. Unvergessen werden dies Matches für mich immer bleiben.

Grün-Weiß Kurier: Bei so einem Gespräch kommt man nicht umhin, nicht nur über die Entwicklung des Tennissports allgemein, sondern speziell auch über das Deutsche Tennis zu sprechen. Was sind die wichtigsten Grundlagen die ein Verein beachten sollte, um den Abwärtstrend entgegenzuwirken?

Karsten Braasch: Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass der Abwärtstrend schon gestoppt wurde. Ich habe mich vor kurzem mit einem Vertreter eines Ballherstellers unterhalten. Der Ballverkauf ist in den letzten Jahren ein wenig gestiegen. Dieses bedeutet für mich, dass wieder mehr Leute Tennis spielen.

Davon abgesehen, können die Vereine sicherlich auch einiges tun. Ein engagiertes und qualifiziertes Trainerteam ist eine Grundvoraussetzung, um Kinder und Jugendliche längerfristig an den Verein zu binden.

Zusätzlich sollte man ein familienfreundliches Umfeld schaffen, damit Eltern und Kinder unseren fantastischen Sport gemeinsam erleben können. Dann wird Tennis weiter attraktiv sein und die Vereine weiter steigende Mitglieder verzeichnen können.

Grün-Weiß Kurier: Herzlichen Dank für die Einblicke in Dein Tennisleben. Das sind tatsächlich Erlebnisse, die unvergessen bleiben. Aber auch Deine Einschätzung über die Entwicklung im Tennissport und die damit verbundenen Anregungen, unseren Sport wieder nach vorne zu bringen, haben mich als Vorstandsmitglied interessiert. Dabei habe ich ehrlicherweise gedacht, dass wir gemeinsam, Vorstand, Mitglieder Trainerteam und Jugendabteilung bereits auf einem guten Weg sind.

 

Das Gespräch führte Edgar Scholz